Capri sehen und segeln …

Eine mittlerweile über etliche Jahre gepflegte Tradition der Fahrtensegler im FI-Sport hat uns auch dieses Jahr wieder Anfang Mai an das Mittelmeer geführt. Wie jedes Mal versuchten wir sportliche und touristische Überlegungen zu verbinden, und haben uns diesmal den Golf von Neapel ausgewählt. Mit einer Rekordbeteiligung von 21 Seglern konnten wir eine Flottille mit drei großen Yachten zusammenstellen.

Der Golf von Neapel bietet mit den Pontinischen Inseln und der Amalfi-Küste ein unheimlich schönes und abwechslungsreiches Segelrevier. Unser Ausgangshafen lag diesmal nicht auf dem Festland, sondern auf der Insel Procida. Sie liegt schon mitten im Segelrevier. Die Anreise der Teilnehmer aller drei Standorte hat mit mehr und weniger Tücken funktioniert, denn die Umsteigerei, Flugzeug – Bus – Fähre, verlief aufgrund des großen Touristenandrangs nicht so reibungslos wie geplant. Aber bis zum späten Abend hatten wir dann doch den etwas beschwerlichen Weg zu unserer seetauglichen Heimat geschafft.

Durch die Verspätung bei der Anreise verzögerten sich auch die Yachtübernahme und das Einbunkern des Proviants. Mittlerweile war es Samstagabend 20 Uhr, endlich mal durchschnaufen und dann mit bester Laune in die Altstadt von Procida essen gehen. Dank der noch nicht gestarteten Touristensaison sind wir die einzigen Gäste im Lokal. Zu der Zeit lief gerade das Endspiel im italienischen Pokal, Napoli – Fiorentina, glücklicherweise hat die richtige Mannschaft gewonnen – wer weiß, was sonst aus dem Essen geworden wäre.

Sonntag Capri - Nach Einweisung der „Frischlinge“ hieß es endlich „Leinen los“! Aus dem Hafen Capriund der Windabdeckung raus und Segel gesetzt. Es ging quer über den Golf von Neapel zur Halbinsel von Sorrent, um in der Bucht bei San Costanzo zu ankern. Aber der Wind drückte die Wellen so in die empfohlene Bucht, dass wir Richtung Capri abdrehen mussten. Durch den zusätzlichen Segelschlag wurde es dann doch etwas später, bevor wir Capri erreichten. Dort in der Marina erstmal die Liegegebühren zahlen (sauteuer), dafür gab‘s nur Minimalausstattung – zwei Toiletten und zwei Duschen. Zum Glück entschädigte uns Capri mit seiner Postkartenidylle. Mit der alten Zahnradbahn nach oben um den Ort zu besichtigen. Zitronen, groß wie Pampelmusen, und dann der Duft. Zum Essen Pizza Caprese, musste sein. Wir sind froh, nicht in der Hauptsaison hier zu sein, denn jetzt war schon jede Fähre voll mit neuen Touristen. Inselbesiedlung im Stundentakt… Für jeden Touristen sollte auf Capri was dabei sein. So kann neben einer Rundfahrt mit Cab(p)riolet-Taxen die Insel erkundet- , oder diese mit Booten umrundet werden. Capri verfügt über eine Vielzahl kleiner Grotten, welche wir mit den Segelbooten nicht hätten erreichen können. Die bekannteste ist die blaue Grotte. Sie war allerdings geschlossen, weil die niedrige Einfahrt aufgrund des Seegangs nicht passierbar war. Für eine Fahrt mit der Seilbahn auf den Monte Solaro war es allerdings nicht zu windig, sodass diese von einigen gemacht wurde. Belohnung für Anstehen an der Kasse ist eine super Aussicht über Capri und tolle Fernsicht über den Golf von Neapel. (Nebenbei: Es gibt ihn wirklich: Die rote Sonne, die bei Capri im Meer versinkt… WOW)

Am Montag ging es dann auf Kurs Richtung Positano. Da dies nur eine kurze Distanz war, gönnten wir uns noch das optische Schmankerl und umrundeten Capri. Super Wetter, und der Wind reichte zum Segeln, aber es hätte aber gern noch ein bisschen mehr sein dürfen. Vor Positano war es zu tief zum Ankern, aber es gab ja Bojen zum „parken“. Mit dem Motortaxi kann man sich hier übersetzten lassen. Eine toller Service (natürlich gegen Gebühr ;O) ).

Positano - die teuerste und fotogenste Stadt an der Amalfi Küste. Die Pink- und Pfirsichfarbenen Häuser, die Positano so Positanounverkennbar machen, kleben dicht beieinander an den steilen Felsen, und beim Blick vom Wasser aus wundert man sich, wie man zu manchem Haus gelangen mag. Die einzige Verbindungsstraße führt ziemlich hoch am Felsufer entlang. Nach einer kleinen Runde ging‘s ins Restaurant, das uns der Hafenmeister empfohlen hat. Fisch – fangfrisch und lecker zubereitet. Nur beim Bezahlen gab es ein Missverständnis, denn der ausgehandelte Preis galt für den anschließend ausgesuchten größeren Fisch am Ende irgendwie doch nicht mehr. Was soll´s. Wir haben ja Urlaub. Zurück an Bord wurden wir von den Wellen in den Schlaf geschaukelt. 

Am nächsten Morgen eine Runde schwimmen und im Sonnenschein frühstücken. Auf der Fahrt nach Cetara gab’s noch einen kurzen Stop an der Grotta Smeralda (Smaragdgrotte). Hier lief eine mächtige Dünung in die Bucht, die sich an den steilen Felswänden auch noch verstärkte. Anlegen mit der Yacht war unmöglich. So blieb uns nur noch das Übersetzen mit dem Dingi. Das Dingi war mit 4 Personen total überladen, dazu noch die starke Dünung. Auch wenn die Grotta Smeralda diesen Ausflug wert war, am Ende war’s ne feuchte Angelegenheit.

Cetara ist bezaubernd, nur wenig Tourismus. Es hat noch das typisch Italienische Flair, Kinder spielen auf dem Marktplatz, die kleinen Vespas flitzen herum, Einheimische sitzen in den Cafés und der Parkanlage, alles macht einen sehr entspannten Eindruck.

Mittwoch - Kurs Sorrent bei schönstem Wetter – aber wenig Wind. Die Küste ist immer wieder beeindruckend, steil abfallende Hänge und dazwischen Dörfer. Wir segelten gemächlich bei nur 3-4 Knoten Fahrt den ganzen Tag über, weshalb wir am Ende doch noch Motoren mussten, um nicht erst im Dunkeln unser Ziel zu erreichen.

Sorrent liegt weit sichtbar oberhalb einer Steilküste, die sich durch die ganze Bucht hindurch zieht, und so ein natürliches Bollwerk bildet. Nach dem Anlegen ging es über eine in den Fels gehauene Festungsanlage, oder für die Fußkranken mit dem Fahrstuhl, hoch und die quirlige Stadt. Auch hier Kopfsteinpflaster, schmale Gassen, viele Menschen und ein Andenkenladen neben dem anderen. Nach dem Essen musste es noch ein echtes italienische Eis von einem echten „Eisdealer“ sein. Traditionell, d.h. keine Kugeln, sondern mit dem Spatel wird die Köstlichkeit in die Waffeln gefüllt – Wahnsinn! Vo Plateau ein herrlicher Blick über den Golf von Neapel, am Horizont die Inseln Capri, Ischia und Procida, hinter Neapel der Vesuv, und unter uns die vielen Lichter des bunt beleuchteten Hafens.

Donnerstag, Ischia soll es sein, Capri lassen wir diesmal an Backbord liegen. Der Wind ist gut und frischt gegen Abend richtig schön auf. Vor dem Castello Aragonese – es sieht sehr beindruckend beim Vorbeifahren aus - bildete sich eine Winddüse, sodass wir endlich mal etwas Lage segeln konnten. Die Einfahrt nach Ischia war sehr eng und es kamen laufend Fähren, dadurch mussten wir den Zeitpunkt gut abpassen um in den kleinen Hafen einlaufen zu können.
Hier gab‘s Duschen im Bürgerbüro, mal ganz was Neues. Und abends im Lokal Live(Straßen)musik, das hat doch was. Ischia – die Insel der heißen Quellen, aber um darin Baden zu gehen fehlte uns dann doch die Muße. Stattdessen machten wir einen Bummel durch das kleine Zentrum von Ischia.

Freitag, letzter Segeltag – mit viel Sonne und wenig Wind umrundeten wir Ischia und machten uns auf den Weg in Richtung Heimathafen - Procida. Unterwegs ankerten wir noch mal in einer Badebucht. Das Wasser hatte so 18 Grad. Aber an einer Stelle hatten wir das Glück auf eine Thermalquelle zu treffen, dort was das Wasser deutlich wärmer. Dann ging‘s weiter nach Procida, Yacht übergeben, Sachen zusammenpacken und alles für die Abreise vorbereiten. Zum Abschluss gingen wir alle nochmals gemeinsam Essen und ließen den Abend dann an Bord mit unseren stillen Reserven ausklingen.

Am nächsten Morgen dann ein letztes Mal die Nasszellen genießen, dann grüppchenweise zur Fähre nach Neapel und wieder mit dem Bus zum Airport. Mit den schönen Gedanken an den Segeltörn und den neuen Erlebnissen im Gepäck, kommt nun doch die Vorfreude auf Zuhause auf, und wir können es kaum erwarten dass der Flieger endlich startet.

Nach dem Törn ist vor dem Törn. Achtung Mallorca – WIR WERDEN KOMMEN!

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